
Campusseite-Autor Sebastian Trepesch verbrachte seine Gymnasialzeit in den 90er Jahren bei den Regensburger Domspatzen (Foto: Japanreise 1994, 2. von links). Aufgrund einiger Nachfragen schreibt er über die Meldungen zu den Missbrauchsfällen. Aus Sicht eines Ehemaligen:
Stellen Sie sich vor, Ihre Schule, Ihr Sportverein, eine Einrichtung, mit der Sie sich stark identifizieren, deren Teil Sie zehn Jahre lang waren – von dieser Einrichtung lesen Sie, dass es dort sexuellen Missbrauch gegeben haben soll.
Zunächst wurde von zwei Fällen berichtet, bei den Regensburger Domspatzen. „Für Schüler und Eltern bricht eine Welt zusammen“, titelte die Boulevardpresse. Missbrauch ist ja nicht nur ein hochbrisantes Thema, ein Verbrechen, sondern auch etwas, das das Leben der Opfer verändern kann. Der Täter, der Geistliche Friedrich Z., wurde nach Auffliegen der Handlungen aus seinem Erzieherdienst am Musikgymnasium entfernt, gerichtlich verurteilt und ins Gefängnis gesteckt. Das war 1958. Die Opfer werden vielleicht nie davon loskommen, aber zumindest für Staatsanwaltschaft und Schule war der Vorfall damit natürlich – und zurecht – erledigt. 1984 verstarb Z. laut Bistum Regensburg.
Ein Fall, zu dem man als Domspatz oder junger Ehemaliger nicht mehrso recht einen Bezug finden kann. Zu viel hat sich in dem halben Jahrhundert verändert: Das Land, die Gesellschaft, die Erziehung. Ein Internat von damals ist nur noch bedingt mit einem heutigen vergleichbar. Schon aufgrund der freieren Atmosphäre würde ein Vertuschen nicht mehr so möglich sein wie früher. Für Domspatzen und Eltern bricht keine Welt zusammen. Statt erneuter Empörung ist eher Verwunderung angebracht, wie einzelne Medien die „Öffentlichmachung“ eines längst öffentlichen Falls als Rechercheleistung verkaufen wollen. Weiterlesen »