Himmelblaue Lebensplanung

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Markus Stitz (27) ist Initiator und Kopf des Ilmenauer Himmelblau-Festivals, das in sein fünftes Jahr geht. Der Ilmenauer Medien-Absolvent spricht im Interview über frühe Fehler, alternative Lebensplanung und über seinen Traumjob.

Herr Stitz, seit fünf Jahren veranstalten Sie das Himmelblau-Festival, das auch Teil Ihrer Diplomarbeit war und für das Sie ein Jahr nach Studienende wieder nach Ilmenau zurückgekommen sind. Ist Himmelblau Ihr Leben?

Nein! (lacht) Es ist ein Teil davon geworden und wird es sicher auch bleiben. Das Projekt liegt mir sehr am Herzen, deshalb war es mir wichtig, es dieses Jahr wieder zu machen. Aber mein Leben sind noch ganz viele andere Sachen wie Reisen, Fahrrad fahren oder mit Leuten rumhängen. Sicher beeinflusst das Festival viele dieser Dinge. Ich versuche das aber zu trennen.

Das erste Himmelblau 2003 war finanziell ein Fiasko. Wie viel haben Sie damals drauf gezahlt?

Wir waren zwei Veranstalter und für jeden fiel ein Verlust an im oberen vierstelligen Bereich. Eine ganze Menge Geld, vor allem wenn man noch studiert. Mein Vorteil war, dass ich nebenbei als DJ und beim Kinderkanal gearbeitet habe. Obwohl ich das Geld eigentlich für meine Weltreise eingeplant hatte.

BESUCHER: Markus Stitz 2005 bei Live 8 in Philadelphia. Ein Festival dieser Größe zu organisieren, ist sein Traum. (Foto: privat)AUSZEIT: Im Winter war er mit dem Fahrrad mehrere Monate in Neuseeland unterwegs. (Foto: privat)SCHALTZENTRALE: Von seiner Studentenbude aus organisierte Markus Stitz bisher das Himmelblau-Festival.HOBBY: Als DJ verdient er sich etwas dazu.TRAUMJOB: 'Einen Traum muss man immer sehr hoch hängen.' (restliche Fotos: cw)

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Warum haben Sie danach weitergemacht?

Weil ich an das Konzept geglaubt habe. Obwohl nur wenig Leute kamen, war es ein netter Versuch, eine gute Basis. Wir haben eine ganze Menge Fehler gemacht, die aber nur mit einem neuen Versuch korrigiert werden konnten. Wenn es beim zweiten Mal in die Hose gegangen wäre, hätte ich es sein gelassen.

Welche Fehler waren das?

Das Datum war schlecht gewählt und wir hatten die falsche Zielgruppe angesprochen. Das Festival zieht Studenten an, aber auch andere junge Musikinteressierte. Und es war das erste Mal und bei neuen Dingen sind die Leute skeptisch, wenn sie Geld ausgeben müssen. Wir hatten zu wenig Sponsoren und haben zu viel für die Bands bezahlt.

Am Anfang gab es Probleme mit der Stadt. Mussten die Stadtväter die Veranstaltung erst zu schätzen lernen?

Ich denke schon. Das hat wieder viel mit Erfahrung zu tun. Keiner kannte uns und wusste wie wir arbeiten. Probleme gab es nicht so viele, leider gab es anfangs nur eine Genehmigung bis 23 Uhr zu spielen. Als Veranstalter würde ich gern bis zwei, drei Uhr machen, den jetzigen Kompromiss bis ein Uhr finde ich trotzdem super. Es ist eine gute Werbung für Ilmenau.

Was haben Sie in dem einen Jahr zwischen Studienabschluss und jetzt gemacht?

Nach dem letztjährigen Himmelblau war ich ab Juni in Schottland zum Arbeiten. Bei dem großen Kulturfestival „Fringe“ in Edinburgh habe ich mich um Kartenverkäufe und Künstlerabrechnungen gekümmert. Also ein Teil dessen, was ich hier mache, bloß in englisch und viel größerem Rahmen. Von Ende November bis Ende März war Fahrradurlaub in Neuseeland angesagt. Seitdem bin ich wieder in Ilmenau.

Haben Sie eigentlich ein Berufsziel?

Grundsätzlich das, was ich jetzt mache, etwas produzieren. Ob das ein Event, ein Film oder was anderes ist, ist erst einmal irrelevant. Das Himmelblau ist sicher ein guter Start, es darf dann gerne was Größeres sein. Die ersten Jahre werde ich wohl als Selbstständiger von Projekt zu Projekt ziehen.

Plagen Sie Zukunftssorgen, im Sinne einer festen Arbeit und festem Gehalt?

Ich habe die letzten Jahre eine gute Kombination von Arbeiten und Reisen gefunden. Das ist nicht jedermanns Sache. Ich arbeite zum Beispiel jetzt komplett zwei Monate durch und habe dafür etwas länger Auszeit danach. Ich sehe die Arbeit auch nicht als solche. Solange ich meinen Spaß habe, möchte ich es weiter so machen. Ein geregelter Beruf kommt irgendwann automatisch.

Scheinbar werfen Ihre Projekte genug ab, dass es für die Auszeiten reicht.

Mein Lebensstandard ist noch sehr gering, weil ich das vom Studium gewohnt bin. Bisher reicht das Geld halbwegs. Das Leben ist nach dem Studium einfach teurer. Zum Leben würde ein Projekt wie Himmelblau ohnehin nicht reichen.

Was wäre Ihr Traumjob?

Eine Veranstaltung wie das Live Eight zu organisieren. Einen Traum muss man immer ganz hoch hängen, um ihn möglichst nicht zu erreichen. Sonst ist es kein Traum mehr.

War Ihr Studium das richtige für Ihr Berufsziel?

Jein. Angewandte Medienwissenschaft ist sehr universell und kein Studiengang mit einem festen Beruf am Ende. Ich arbeite also nur bedingt in der Branche, was ich studiert habe. Ingenieurstudiengänge haben da ein wesentlich enger definiertes Ziel. Es war gut, um zu lernen wie man lernt und etwas Selbstdisziplin anzutrainieren. Ich habe das für mich Wichtige herausgezogen, meistens war es aber Learning by doing. Kontakte aus dem Studium nutze ich heute immer noch gerne.

Hatte Ihr außeruniversitäres Engagement Einfluss auf ihr Studium?

Ohne die Aktivitäten wäre ich sicher eher fertig geworden. Auf dem Papier waren es knapp sieben Jahre. Dazu zählen auch ein Auslandssemester und Praktika. Dieser Weg war definitiv der beste, denn sonst würde mir einiges an Erfahrung fehlen.

Wer organisiert Himmelblau 2008?

Die Standardantwort wie jedes Jahr: Das wird sich nach dem Himmelblau entscheiden. Ich habe noch keine Perspektive für den Sommer. Mal sehen, ob ich nach Schottland oder Neuseeland gehe. Es ist bei so einer Veranstaltung schwierig, persönliche Kontakte einfach weiterzugeben.

Was wäre Ihnen lieber, das Festival selbst weitermanagen oder in andere Hände geben?

Am liebsten würde ich es abgeben, um im Hintergrund einiges weiter zu gestalten. Komplett würde ich mich aber nie zurückziehen.

Also noch einmal, wie hoch sind die Chancen auf ein Himmelblau 2008?

Ich schätze sie hoch ein.

Was war das Wichtigste, dass Sie in Ilmenau gelernt haben?

Ich habe mich weiter entwickelt, auch durch Tiefschläge, wie 2003. Ich habe gelernt, aus jedem Platz der Welt, kann man mit Ehrgeiz, Mut und Vertrauen in den Ort etwas machen. Ich war mit der Situation in Ilmenau nicht zufrieden und habe etwas probiert, das auch noch angenommen wurde. Den Mut habe ich vorher nicht besessen.

Gespräch: Christian Werner

2 Kommentare zu “Himmelblaue Lebensplanung”

  1. Jan Michael Gerwin

    Um Missverständnissen aus der gedruckten Ausgabe der Thüringer Allgemeine
    vorzubeugen: Das Himmelblau ist natürlich nicht das einzige Open-Air in
    Ilmenau. Am 5. Juni findet zwischen Block C und D ein kostenloses Open-Air im Rahmen der ISWI mit bis zu 2000 Besuchern statt.
    Viele Grüße,

    Jan Michael Gerwin

  2. Klaus

    Hallo,

    hat jemand noch Kontakt zu Markus Stitz, wenn ja, wie erreiche ich ihn ?

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