Ein Herz für »Nerds«

Nerdomat in der Mensa der TU Ilmenau

Nerdomat in der Mensa der TU Ilmenau. Foto: Manuel Mohr

Microsofts gleichnamige Werbeoffensive sorgt für Andrang auf dem Ilmenauer Campus

Ilmenau. Seit mehreren Wochen bilden sich regelmäßig lange Warteschlangen in der Mensa am Ehrenberg. Die meisten Studenten stehen allerdings nicht wegen des köstlichen Essens an. Der »Nerdomat«, neuester Marketing-Gag des Softwareherstellers Microsoft, will mit zahlreichen Werbegeschenken die Hochschüler von Produkten aus Redmond (USA) überzeugen. Während der Mittagszeit herrscht in der Ilmenauer Mensa Hochbetrieb. Neben dem Gedränge vor den Menüplänen werben Gruppen und Vereine um neue Mitglieder oder animieren zum Kartenkauf für bevorstehende Veranstaltungen. Neuerdings gibt es für Mensabesucher noch eine weitere Möglichkeit, sich die Taschen mit kostenlosem Werbematerial vollzustopfen. Im Rahmen der Marketingkampagne »Microsoft Studentenleben« soll der »Überblick im Dickicht der studium- und studentenrelevanten Werkzeuge« behalten und das Studieren noch »angenehmer und effizienter« gestaltet werden, so Microsoft. Teil dieser Strategie ist dabei auch der »Nerdomat«, eine mannshohe grüne Blechkiste in Form einer »Windows 7«-Verkaufspackung, welcher gegenwärtig in 20 deutschen Universitäten zu finden ist – so auch im Foyer der Mensa auf dem Ilmenauer Campus. Das Wort »Nerd« kommt aus dem Englischen und lässt sich am ehesten mit »Fachidiot« oder »Sonderling« übersetzen. Schon seit den 1960er Jahren nahm die Film- und Unterhaltungsindustrie das Klischee des technikversessenen und sozial isolierten »Nerds« auf und adaptierte es in zahllosen Varianten. In jüngster Zeit erfreut sich das »Nerd-Outfit«, allen voran die dank Woody Allen weltbekannte Hornbrille, wieder großer Beliebtheit. Dieses heute besser als »Nerdbrille« bekannte Mode accessoire kann man mit Glück am »Nerdomat« gewinnen. Bei dem »Nerd-Game«, welches mit seiner grob-pixeligen Grafik stark an Computerspiele der ersten Stunde erinnert, muss man mit den Nerd sicher von einem Flussbufer zum anderen steuern – mit Hilfe von schwimmenden Flößen und Booten und ohne ins Wasser zu fallen. Meist hat man schon nach kurzer Zeit das Ziel erreicht und kann sich aus der Ausgabebox seinen Gewinn abholen. Neben Schlüsselbändern, Tragetaschen und der bereits erwähnten Nerdbrille zählen auch Konsolenspiele, USB-Sticks oder das Windows 7-Betriebssystem zu den Gewinnen. Kein Wunder also, dass zu Stoßzeiten der Automat permanent belagert wird. Gelegentliche Systemabstürze trüben die Freude vieler Nutzer allerdings genauso wie die Tatsache, dass der Automat nach intensivem Gebrauch leer ist und keine Gewinne mehr ausspuckt. In jedem Fall ist für Nerds oder die, die sich mal wie einer fühlen wollen, Eile geboten. Laut dem Internetauftritt von »Microsoft Studentenleben« verabschieden sich die Nerdomaten nämlich in den nächsten Tagen in den Sommerurlaub. Manuel Mohr

Ein Kommentar zu “Ein Herz für »Nerds«”

  1. iJunkie

    Selten einen so geistreichen Artikel gelesen! Respekt!