Zweite Heimat Ilmenau

Irina Gushchina

Die Russin Irina Gushchina hat mit der Ingenieursausbildung in Moskau und Ilmenau eine Blitzkarriere hinter sich. Jetzt will die Doktorandin dauerhaft in Deutschland bleiben und arbeiten

Ilmenau/Moskau. Positive Beispiele für steile Karrieren ausländischer Studierender an der Technische Universität gibt es viele. Die aus der Nähe von Moskau stammende Doktorandin Irina Gushchina hatte von Kindesbeinen an die vom Elternhaus geprägte berufliche Karriere in Russland vor Augen. Doch nach einem befristeten Austauschstudium lässt sie Deutschland nicht mehr los. Zur Zeit arbeitet die gerade einmal 25-Jährige an ihrer Promotion. Angefangen hatte ihre Begeisterung für Technik schon als Kind. Wie Großeltern, Tante und Onkel wollte sie in der dritten Generation am renommierten Moskauer Energetischen Institut (MEI) studieren. Die Voraussetzungen brachte die junge Doktorandin aus der Schule mit. »Ich habe eigentlich immer gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern gehabt und mich dafür interessiert. Deswegen war ich mir auch sicher, dass später mal ein technisches Studienfach zu mir passt.« Für die russische Variante der Realschule brauchte Irina acht statt neun Jahre. Doch bevor sie am ersehnten MEI anfangen konnte kam der Umweg über ein staatliches Moskauer College. Weil aber auch dort ein schneller Einstieg verwehrt blieb, schloss sie zunächst erfolgreich ihre Ausbildung zur Kauffrau für Kraftwerk- und Energietechnik ab – in zwei statt in den vorgesehen vier Jahren. Rückblickend bedauert sie die Zeit in dieser höheren Berufsschule nicht. »Die Collegezeit war schon die schönste bisher. Da habe ich so viel erlebt. Ich konnte ohne gar nicht leben«, sagt die Promotionsstudentin. Denn trotz ihrer Ausbildung im Turbo-Gang blieb noch Zeit für Hobbys und Kultur. Singen wurde ihre Leidenschaft. Schnell fand sich auch eine Jazz-Band, der Irina ihre Stimme lieh. Klavier spielte sie immerhin schon als Kind. Tanz und Theater hat sie gemacht. Mit der Aufnahme am MEI schien die damals 17-Jährige am Ziel. Das erste Jahr in ihrem Studiengang Messtechnik war jedoch schwer für sie. »Ich habe ja zwei Klassen in der Schule in eigener Regie nachgeholt, ohne Lehrer. Ich hatte schon befürchtet, dass es zu schwer wird. Aber im zweiten Studienjahr am MEI war es schon ok.« Vom Austauschprogramm mit der TU Ilmenau war sie sofort begeistert. Mit dem Bachelorabschluss in der Tasche begann der Ausflug nach Ilmenau. »Im dritten Studienjahr habe ich angefangen die erforderlichen zusätzlichen Vorlesungen und den Deutschunterricht zu besuchen. Auch zusätzliche Prüfungen habe ich abgelegt«, sagt Irina. Vor einem Jahr legte sie den Doppelabschluss beider Universitäten in Ingenieurinformatik ab. »Nach den notwendigen Lehrveranstaltungen in Ilmenau und Diplom- und Masterarbeit, so war ich mir sicher, würde ich in Moskau bleiben. Kurz bevor ich nach Russland hätte zurück müssen, ist die Entscheidung gefallen, dass ich länger in Ilmenau bleiben möchte.« Die einzige Möglichkeit, so hatte Irina erfahren, wäre eine Stelle als Hilfswissenschaftler. Mittlerweile wurde aus der anfänglichen Teilstelle am Fachgebiet Rechnerarchitektur und eingebettete Systeme eine volle Mitarbeiterstelle. Auch wenn ihr die Doktorarbeit hier nach wie vor Spaß mache, möchte sie in zwei bis drei Jahren fertig sein, so Irina. »Wenn es später Möglichkeiten gibt, in Firmen oder Programmen zu arbeiten, die mit Russland kooperieren, würde ich das gern machen«, wünscht sich die aufstrebende Ingenieurin. Das Singen hat Irina nicht aufgegeben. »Ich habe in unserem Fachgebiet durchgesetzt, wenn wir etwas feiern, dann singen wir auch«, sagt sie stolz. Christian Kowitz

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