Institut mit Seltenheitswert

Mitarbeiterin Florina-Maria Cuibus experimentiert mit neuartigen Oberflächenmaterialien unter einer Argonatmosphäre am gasdichten, sogenannten, Handschuhkasten. Foto: Christian Kowitz

Mitarbeiterin Florina-Maria Cuibus experimentiert mit neuartigen Oberflächen- materialien unter einer Argonatmosphäre am gasdichten, sogenannten, Handschuhkasten. Foto: Christian Kowitz

In Ilmenau feiert man die Wiederauferstehung der Elektrochemie und Galvanotechnik in Forschung und Ausbildung.

Ilmenau. Das Fachgebiet Elektrochemie und Galvanotechnik ist in der Bundesrepublik einzigartig. Und obwohl es auf eine weit in die Vergangenheit zurückreichende Forschungstradition zurückblickt, forscht es an brandaktuellen Themen und Problemen. Elektrochemie ist fester Bestandteil der Hochschule in Ilmenau seit deren Gründung 1953.

Seit August 2010 gibt es eine Stiftungsprofessur am Fachgebiet. Der Zentralverband für Oberflächentechnik habe diese eingerichtet, um dem Mangel an qualifiziert ausgebildetem Fachpersonal im Bereich Elektrochemie entgegenzuwirken. In den 1980er-Jahren habe man geglaubt, auf diesem Gebiet sei alles erforscht und so haben sich viele stattdessen der Biochemie zugewandt, weiß Rektor und Chemiker Peter Scharff. Die Ausbildung soll hier demnächst ausgebaut werden. Ein Masterstudiengang Elektrochemie und Galvanotechnik − bundesweit einzigartig − sei geplant. In der Automobilindustrie finden schon lange elektrochemisch veredelte Schichten in Knöpfen und Karosserieteilen Anwendung. In der Medizin können elektrochemisch beschichtete Implantate, sogenannte Stents, das Leben von Herzpatienten mit Arterienverkalkung verlängern. Außerdem arbeiten die Forscher an Lithium-Ionen-Akkus, damit diese größere Strommengen speichern können.

Wichtig dabei sei Stiftungsprofessor Andreas Bund vor allem der Kontakt zur Industrie, auch zur lokalen in Thüringen. Deswegen ist er unter anderem Mitglied im Kernteam des neuen Thüringer Innovationszentrums für Elektromobilität an der TU. “Ich möchte hier eine kleine, aber feine und hochmotivierte Wissenschaftlergruppe aufbauen, die diese Themen grundlegend, aber auch anwendungsnah bearbeitet”, sagt Bund über seine Ziele als künftig alleiniger Fachgebietsleiter. 10 bis 15 Mitarbeiter strebe er an. Bisher habe er sieben, so der Heisenberg-Stipendiat. Die Vorteile einer kleinen Universität wisse er zu schätzen. ” Die Einstellung meiner Mitarbeiter lief reibungslos.” Christian Kowitz

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