Politik macht Schule, nein Uni

Daniel Schultheiß, Thomas Walkling und Gunther Kreuzberger (v.l.) bei der Wahlparty zur Kommunalwahl . Seit dem setzen sie sich mit „Pro-Bockwurst“ für die Ilmenauer Bürger ein. Foto: Ingo Herzog

Daniel Schultheiß, Thomas Walkling und Gunther Kreuzberger (v.l.) bei der Wahlparty zur Kommunalwahl 2009. Seit dem setzen sie sich mit „Pro-Bockwurst“ für die Ilmenauer Bürger ein. Foto: Ingo Herzog

Mitarbeiter der Technischen Universität engagieren sich politisch, gründen die Partei „Pro-Bockwurst“ und ziehen in den Stadtrat ein. Seit zwei Jahren gestalten sie erfolgreich die Ilmenauer Kommunalpolitik mit.

Ilmenau. Man könnte „Pro-Bockwurst“ wohl als gelungenes Experiment bezeichnen, jedoch nicht als Eintagsfliege. Im Frühjahr 2009 durch TU-Mitarbeitergegründet, ist die Initiative mittlerweile feste Kraft im und nunmehr zwei Jahre Bestandteil des Ilmenauer Stadtrats.

Mit 6,4 Prozent der Stimmenzogen die beiden Kandidaten Gunther Kreuzberger und DanielSchultheiß bei der Kommunalwahl im Juni 2009 locker inden Stadtrat ein. Damit ließendie beiden Wissenschaftler am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaftsogardie FDP hinter sich, die am Endenur ein Mandat bekam.

Hohe Aufmerksamkeit war der selbst ernannten „Initiative für Bildung, Wissenschaft und Manifestierung der Bockwurstals Kulturgut“ von Anfang an sicher. Auch wenn der Name zunächst unter einigen Stadträten für Zweifeln an der Ernsthaftigkeit sorgte, sind die „Bockwürste“ mit durchaus ernst gemeinten Zielen angetreten.

Interaktive Stadtratssitzungen, Entwicklung effizienterer Schienenfahrzeuge mit Hilfe der TU, kostenlose Internetanbindung im gesamten Stadtgebiet und Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen sollten wissenschaftliche Sichtweisen in die Kommunalpolitik einbringen. „Transparenz und Bürgerbeteiligung, auch durch Technikeinsatz, haben sich nun als die Ziele herausgestellt, die die meisten unserer Wähler angesprochen haben. Da ist in den letzten zwei Jahren in Ilmenau viel passiert“, sagt Stadtrat Daniel Schultheiß.

Denn es sei fraglich, ob Bürgerbeteiligungshaushalt, Bürgerfragestunde und kommentierbarer Liveticker aus dem Stadtrat über den Internetdienst Twitter ohne die „Bockwürste“ zustande gekommen wäre, begründet der TU-Mitarbeiter. Der ungewöhnliche Name „Pro-Bockwurst“ sei beim gemeinsamen Bockwurstessen und Philosophieren in der Mensa entstanden, so der Stadtrat. Tatsächlich sei der Name den Mitgliedern ziemlich egal. „Wir machen hier Kommunalpolitik. Da geht es nicht um die Fahne, die man hochhält, sondern um die Ergebnisse. Sachpolitik bringt den Ilmenauern viel mehr als Parteipolitik unter dem Mäntelchen der Kommunalpolitik“, so Schultheiß über die Bezeichnung. Zudem sei derName auf jeder Wahlliste ein Hingucker, fand Mitglied Jens Köster vor zwei Jahren.

Inzwischen habe man auch für viele der Anliegen das Wohlwollen der anderen Fraktionen, so Schultheiß. Denn vertreten wolle man schließlich alle Ilmenauer. „Die Uni, alle Studierende und Angehörige gehören für uns genauso zu Ilmenau, wie jemand, der schon sein ganzes Leben hier ist. Es wäre eher nicht angemessen, da Unterschiede zu machen“, sagt der junge Doktor am Fachgebiet Medienmanagement.

Daniel Schultheiß bleibt mit Spaß bei der Sache. „Und wie! Ich möchte die Arbeit und die Erfahrungen nicht missen.“ Anpacken und im Kleinen umsetzen sind Leitlinien der „Bockwürste“. „Kleine Erfolge machen die Arbeit im Stadtrat attraktiv. Man kann eben auf kommunaler Ebene tatsächlich was für die Bürger erreichen“, so Schultheiß.  Auch das werde in höheren Etagen schwieriger. Und so will „Pro-Bockwurst“ um Stadtrat Daniel Schultheiß nicht landes- oder gar bundesweit antreten. Seine ursprünglichen Pläne, mit der Piratenpartei in den Bundestag einzuziehen, verfolge er auch deshalb zunächst nicht weiter. Christian Kowitz

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